
6. ex aequo: Mara Genschel (14 Punkte) NEU
„Midlife-Prosa“, Engeler
Mit ihrem Auftritt bei den „Tagen der deutschsprachigen Literatur“, besser bekannt als „Bachmannpreis“, hat Mara Genschel 2022 für viel Aufsehen gesorgt. Zwar ging die 1982 in Bonn geborene Autorin ohne Preis nach Hause, aber ihre Lesung – mit Schnurrbart und amerikanischem Akzent – brach mit den seriösen Gepflogenheiten des Wettbewerbs und ließ die Jury tagelang über die Grenzen des Performativen diskutieren. „Midlife Prosa“ heißt ihr neuer Erzählband und natürlich ist man sofort gewillt das Buch mit diversen Mittvierziger-Lebenskrisen in Verbindung zu bringen. Tatsächlich kreisen die insgesamt 9 Erzählungen allesamt um eine Autorin, die mit Mara Genschel viel gemeinsam zu haben scheint. Autobiographisch kann man die Texte jedoch nicht nennen, vielmehr nimmt die Autorin das Genre auf die Schippe. Sie konfrontiert eine Person, die mal Martha Gescheul heißt, mal namenlos bleibt, mit den Widrigkeiten eines Autorinnen-Lebens, und das mit absurdem Witz und einer großen Portion Selbstironie. Etwa, wenn sie als sogenannte „Parlamentspoetin“ champagnerschlürfend mit der E-Limousine in den Bundestag gefahren wird und sich unerwartete Hindernisse auftun.
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